Hedy Brenner besuchte über 10 Jahre lang Gefangene in Schweizer Gefängnissen.

Hedy Brenner hat mit dem Gefängnisdienst der Heilsarmee bis zu ihrer Pension Inhaftierte besucht und Seelsorge geleistet. Sie begleitet im Namen der Heilsarmee auch weiterhin Menschen in diesem Umfeld: Entlassene, die sich wieder ein “normales” Leben aufbauen müssen. Sie nahm sich Zeit für ein kurzes Gespräch zum Thema Einsamkeit im Gefängnis.

Wie sind deine Erfahrungen mit Einsamkeit über die Jahre als Seelsorgerin im Gefängnis?
Zunächst ist es mir wichtig zu erwähnen, dass ich nur über die Personen sprechen kann, die den Kontakt mit mir gesucht haben. Die Initiative für ein Gespräch geht immer vom Gefangenen aus. Es handelt sich dabei um Personen, die sich mit unserem Dienst auseinandergesetzt und vor dem Erstkontakt einen Nutzen für sich erkannt haben. Sie bilden jedoch nur einen kleinen Ausschnitt der Gefangenen.

Was kannst du über jene sagen, die den Kontakt wünschten?
Ich habe während meinen 10 Jahren 500 unterschiedliche Menschen begleitet. Die einen für nur einen Besuch, die anderen während den ganzen 10 Jahren. Die Haftbedingungen haben sich in diesen 10 Jahren verändert – in der Regel zu Ungunsten der Gefangenen, was den Aufenthalt schwieriger macht. Es werden eher längere Strafen ausgesprochen. Dadurch wird das Durchschnittsalter höher und die Zahl jener, die im AHV-Alter im Gefängnis sind, steigt. Dies wiederum verringert die Anzahl Kontakte zur Aussenwelt – Familienangehörige und Freunde sterben und fallen als Besucher weg.

Ein Altern in Würde und mit einem Minimum an sozialen Kontakten wird so verunmöglicht…
Es gibt auch ausserhalb der Gefängnisse Menschen mit Kontaktarmut, aber sicher, im Gefängnis ist das noch härter. Einige Bestrebungen hin zu Altersabteilungen in Gefängnissen versuchen diesen Umstand abzumildern, sind aber noch rar.

Hattest du auch Kontakt zu Gefangenen, die sich deiner christlichen Botschaft öffneten oder ihr Leben an Jesus übergaben?
Es gibt immer sehr viele, die sich mit Sinnfragen beschäftigen und mit dem Glauben auseinandersetzen, egal welcher Form oder Richtung. Ich hörte über meine Arbeit oft: “Oh, wie schön, dass die Heilsarmee den Glauben in die Gefängnisse bringt.” Dazu sage ich jeweils: “Man muss Gott nicht ins Gefängnis bringen, er ist schon dort.” Die Auseinandersetzung mit ihm und dem Göttlichen allgemein findet statt, auch ohne unser Zutun.
Man kann auch nicht sagen, die Häftlinge seien alles harte Typen, die von Religion keine Ahnung hätten. Ich lernte eine Reihe Leute kennen, die eine kirchliche, zum Teil sogar tiefreligiöse Vergangenheit hatten. Ihre Herkunft konnte die Straftat jedoch trotzdem nicht verhindern.
Zusammenfassend würde ich sagen, Religion ist im Gefängnis häufiger Thema als ausserhalb. Wobei ich hatte eben nur Kontakt mit Personen, die wussten, was ich tue und mit welchem Hintergrund.

Nebst Abstandhalten und Besuchsverboten könnte ich mir vorstellen, hat Corona auch weitere Änderungen im Gefängnisalltag gebracht. Hatten die Gefangenen auch mehr Angst, z. B. vor einer Ansteckung?

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