Die Einsamkeit neu entdeckt!

Eins ist sicher, die Einsamkeit hat sich in dieser pandemischen Zeit als die grosse Protagonistin entpuppt. Vor Corona wurde das Tabu Einsamkeit in unserer Gesellschaft kaum thematisiert und wenn, nur sehr stiefmütterlich. Seit ein paar Monaten schiessen Artikel, Bücher und Podcasts über Einsamkeit wie Pilze aus dem Boden. Endlich, denn das beste Mittel gegen Einsamkeit ist, darüber zu reden. Entkommen kann ihr niemand. Denn wir sind alle mal einsam.

Die junge Generation mit einem defizitären Gefühl

Diana Kinnert, geboren 1991, deutsche CDU-Politikerin, Unternehmerin und Publizistin, beschäftigt sich schon länger mit dem grossen Tabuthema der Einsamkeit. In ihrem soeben erschienenen Buch «Die neue Einsamkeit – Und wie wir sie als Gesellschaft überwinden können» (Hoffmann und Campe, 2021) beschreibt sie folgendes Paradoxon: «Noch nie waren Jugendliche so einsam wie heute, obwohl sie die erreichbarste und vernetzteste Generation aller Zeiten sind.» Diana Kinnert interpretiert dieses Gefühl der Einsamkeit der Jugendlichen als Rückzug von dieser Gesellschaft – und zwar Rückzug vor Überforderung, Komplexität, Beschleunigung und Fragmentierung.

Stark vernetzt und trotzdem einsam?

Diana Kinnert, selbst 30 Jahre alt, ist schon länger eine Beobachterin der Einsamkeit und erlebt diese so: „Und nun sehe ich mich selbst. Wie ich mitten in Berlin in der U-Bahn sitze, allein unter vielen, versunken in mein mobiles Display.“ Sie ist der Meinung, dass es heute gilt, die Merkmale und Bedingungen der neuen Einsamkeit differenzierter zu betrachten. Einsamkeit zieht sich inzwischen durch alle Schichten und betrifft die meisten Altersgruppen. Zunehmend auch Frauen und Männer der digitalen Generationen, die im Grunde inmitten eines sozial vernetzten, durchlässigen, mobilen Lebens stehen. Sind wir wirklich so verbunden, wie uns das Internet, die sozialen Medien suggerieren?

Handys – Vereinzelungsapparate erster Güte

Ausgerechnet die lieben Handys, ersonnen als ultimative Verbindungsapparate, sind in diesem Prozess zu alternativlosen Katalysatoren geworden. Mit einem Fingerwisch landet jeder in seiner Welt und surft durch seine persönlichen Universen, auch wenn er gerade Teil einer Masse ist. Ursprünglich erfunden, um zu verbinden, lässt uns nun die moderne Technik auseinanderdriften.

Je länger man sich in ihr Buch vertieft, desto fantasievoller werden die neuen Wortkreationen, um die heutige Einsamkeit zu beschreiben. Sie spricht von Vereinzelung, vom Einsamkeitssyndrom. Vom Menschen als moderner Wanderer. Als digital nomad und beschreibt ihn als austauschbaren Pixel in unserer Gesellschaft, als beschleunigtes Einzelteilchen. Der „digital nomad“ der zum „digital loner“ wird. Dieses Buch von Diana Kinnert ist ein kluges und lesenswertes, aber auch ein wenig beklemmendes Werk. Einen Funken Hoffnung hat sie am Schluss des Buches trotzdem noch. „Entweder wir stehen zusammen, oder wir fallen auseinander“. Die Einsamkeit kann nur mit neuen Modellen der ökonomischen Partizipation überwunden werden. Damit meint sie eine Rückkehr zur Sozialen Marktwirtschaft, einer wirtschaftlichen Ordnung, die in ein gesellschaftliches Wertesystem von Verantwortung und Verbindlichkeit eingebettet ist.

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