Armut hat viele Gesichter.

Armut begegnet uns täglich – auch in der reichen Schweiz. Es gibt zahlreiche Ursachen, warum Menschen auch in der wohlhabenden Schweiz unter die Armutsgrenze rutschen.

Besonders gefährdet sind Kinder und Jugendliche aus armutsbetroffenen Familien. Hier liegt die Armutsquote bei 19,3 Prozent gegenüber 7,9 Prozent der gesamten Bevölkerung in Privathaushalten, die von Einkommensarmut betroffen sind. Kinder und Jugendliche tragen somit ein hohes Risiko, später selbst von Armut betroffen zu sein. Durch das Coronavirus und den Massnahmen zum Schutz der Gesundheit ist das Armutsrisiko zusätzlich gestiegen.

Erwerbstätigkeit während Coronakrise

Die untenstehenden Zahlen vergleichen das 2. Quartal 2019 mit dem 2. Quartal 2020 (jeweils Mai - Juni).
Quelle: Bundesamt für Statistik (BFS), 2020.

Die Zahl der Erwerbstätigen in der Schweiz ist zwischen dem 2. Quartal 2019 und dem 2. Quartal 2020 um 1,6% gesunken (–82 000). Darüber hinaus ist bei der tatsächlichen wöchentlichen Arbeitszeit pro Erwerbstätige ein Rückgang um 9,5% zu verzeichnen. Im gleichen Zeitraum stieg die Erwerbslosenquote gemäss Definition des Internationalen Arbeitsamtes (ILO) von 4,2% auf 4,6% in der Schweiz und von 6,6% auf 6,9% in der EU. Dies geht aus der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) hervor.

Zwischen dem 2. Quartal 2019 und dem 2. Quartal 2020 verringerte sich die Zahl der schweizerischen Erwerbstätigen um –2,4% und jene der ausländischen Erwerbstätigen stieg um 0,2% an.

In der Schweiz erhöhte sich die Jugenderwerbslosenquote (15- bis 24-Jährige) gemäss ILO zwischen dem 2. Quartal 2019 und dem 2. Quartal 2020 von 6,2% auf 8,4%.

Ein Anstieg der Erwerbslosenquote von 3,9% auf 4,8% zeigt sich für die Männer, bei den Frauen blieb sie stabil bei 4,4%.

Die Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung wurden bis am 11. Mai 2020 verlängert, anschliessend wurden die Tätigkeiten schrittweise wieder aufgenommen. Im 2. Quartal 2020 sank die tatsächliche wöchentliche Arbeitszeit pro erwerbstätige Person daher im Vergleich zum Vorjahresquartal um 9,5%. Bei den Selbstständigerwerbenden (–13,9%) war dieser Rückgang ausgeprägter als bei den Arbeitnehmenden (–9,1%). Wäre die durchschnittliche Anzahl Ferientage in diesem Zeitraum nicht um die Hälfte zurückgegangen (–52,6%), wäre die Abnahme der tatsächlichen wöchentlichen Arbeitszeit noch höher ausgefallen.

Erwerbsarmut und Arbeitslosigkeit in der Schweiz

Corona hat in vielen Branchen zu zahlreichen Entlassungen geführt – und die Krise ist noch nicht überstanden: Es droht eine ausgeprägte Rezession. Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit kann schnell existenzgefährdend werden oder dazu führen, dass jemand unter die Armutsgrenze rutscht. Dabei sind die Lebensumstände, die dazu führen, immer sehr individuell, aber vergleichbar.

Erwerbsarmut

Sie gehen den ganzen Tag arbeiten, bezahlen ihre Steuern und Rechnungen und haben dennoch nichts zum Leben – die sogenannten «Working Poor». Wer von der Erwerbsarmut betroffen ist, führt ein Leben, das von Existenzängsten geprägt ist.

Zahlen und Fakten: Working Poor in der Schweiz

Working Poor: Margarete Anke erzählt.

«Wer sagt, dass Geld nicht glücklich macht, weiss nicht, was Armut bedeutet. Mit diesem Geld, das jemanden nicht glücklich macht, kann ich zwei Rechnungen bezahlen. Dann bin ich glücklich und beruhigt. Oder ich könnte wieder mal meine Freundin in ein Café einladen.»

Geschichte lesen

Arbeitslos durch Burnout: Die Geschichte von Thys

Hilfe in Form von Lebensmitteln

In unseren Lebensmittelabgaben helfen Freiwillige mit bei der Beschaffung, Sortierung und Bereitstellung nicht verwendeter Lebensmittel. Eine davon ist Yaquelin aus Neuenburg. Im Gespräch äussert sie sich zur allgemeinen und ihrer eigenen Situation.

Yaquelin war selbst einmal von Armut betroffen. Heute hilft sie bei der Lebensmittelabgabe der Heilsarmee.

Unterstützen

Menschen, die in Armut leben, finden bei uns Geborgenheit, existenzielle Unterstützung und die Perspektive für eine bessere Zukunft. Mit unseren Angeboten versuchen wir zudem, Notleidende vor der Armut zu bewahren. Diese Menschen und wir zählen auf Sie!

Spenden Sie für betroffene und gefährdete Menschen

Armut ist in der Schweiz kaum sichtbar. Danke, dass Sie uns helfen, sie zu bekämpfen!

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