Die Heilsarmee leistet Hilfe zur Selbsthilfe

Leiterin Marina Brunner mit einem Bewohner des Durchgangsheims in Winterthur.

Die Arbeit mit Alkoholabhängigen gehört in der Heilsarmee Schweiz seit jeher zum Alltag . Während den sozialen Missständen der Industrialisierung war die Heilsarmee auch in der Schweiz bestrebt, diesen zum Teil verwahrlosten Menschen einen gedeckten Tisch, ein offenes Ohr und ein freies Bett zu sichern. Dabei war und ist sie auch heute noch bestrebt, den christlichen Aspekt der Nächstenliebe spürbar vorzuleben. Oberstes Ziel ist dabei immer, den Betroffenen Hilfe zur Selbsthilfe zu geben.

Heilsarmee Durchgangsheim und Wohnheim Winterthur

An verschiedenen Standorten in der Schweiz leistet die Heilsarmee Hilfe für suchtbetroffene Menschen verschiedener Schwere und Suchtart. Das Durchgangsheim in Winterthur bietet Drogen- und Alkoholsüchtigen ein Zimmer und fachkundige Begleitung durch Sozialpädagoginnen und Sozialarbeiter.

Es werden Medikamente und Substitutionsmittel abgegeben und gemeinsam kleine, gut überschaubare Fortschritte geplant. Im Heim wohnen auch Leute mit suchtähnlichem Zwangsverhalten, wie Kleptomanie oder mit Ess-Störungen. Einige geben an, bei der Heilsarmee das erste Mal so etwas wie ein „Zuhause“ gefunden zu haben.

Nicht immer ist Sucht so gut erkennbar, wie bei Alkohol- oder gar Drogenabhängigen. Es gibt Suchtverhalten, das oft jahrelang kaum schwerwiegende Konsequenzen auf das eigene Leben oder das Umfeld einer Person haben: leicht übermässiges Trinken, Spiel- und Gamesucht, Internetsucht, Porno- oder Social Media Sucht, zum Beispiel.

In unserer Gesellschaft bleiben Süchtige oft unauffällig.

Sucht hält nicht nur Süchtige gefangen – auch Angehörige.

Wenn ein Familienmitglied süchtig ist, belastet dies das gesamte Familienleben. Mit dem  Suchtverhalten wird meist ein zwischenmenschliches, berufliches oder soziales Defizit ausgeglichen und überdeckt. Wenn sich die Stimmung der süchtigen Person aus irgend einem Grund verschlechtert, kann es zu Streit oder Gewalt an den eigenen Kindern, der Partnerin oder dem Partner kommen.

Die Belastung für Angehörige wird aus unserer Sicht klar unterschätzt: Sie leiden oft genauso oder noch direkter unter seelischen und körperlichen Schmerzen – schliesslich sehen sie aus nächster Nähe, wie ein geliebter Mensch sich schadet. Deshalb werden sie sogar selber süchtig oder zeigen Suchtverhalten. Dieses Phänomen wird allgemein unter „Co-Abhängigkeit“ näher umschrieben.

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Die häufigsten Fragen zum Thema Sucht!

Die Gründe für Süchte jeder Art sind sehr verschieden: jugendlicher Leichtsinn, Jobverlust, ein schwerer Unfall mit Langzeitfolgen, der Tod einer nahen Bezugsperson oder Scheidung. Meist sind es mehrere Stützen, die im Leben einer Person instabil werden, oder wegbrechen: Familie, Freunde, Beruf, Gesundheit.

Ja. Sucht zählt zu den psychischen Krankheiten, bei der eine Fehlleitung des Belohnungssystems im Gehirn zu vorliegt. Sucht äussert sich so als zwanghaftes Verhalten aufgrund von Botenstoffen, die im Hirn wirken und beim Konsum von Alkohol oder Drogen, oder durch die Ausführung einer bestimmten Handlung Glücksgefühle auslösen. Dieses Gefühl muss dann immer wieder, und vor allem mit immer mehr vom Gleichen ausgelöst werden.

Es gibt verschiedene Kriterien, die entscheidend sind, damit von süchtigem Verhalten gesprochen wird. Gemäss WHO sind dies unter anderen: Kontrollverlust, Toleranzsteigerung (man braucht immer mehr), negative Konsequenzen für andere Lebensbereiche, sowie die Unfähigkeit, trotz Wissen über die Gefahren, den Konsum einzustellen.

Ein schleichender Übergang von einem Genuss- zu einem Suchtmittel kann dazu führen, dass die berufliche Leistungsfähigkeit abnimmt. Abhängige verlieren ihre Stelle, verschulden sich oder werden körperlich krank. Sucht führt zu Einsamkeit und frühem Tod: Jeder 7. Todesfall in der Schweiz – ca. 9'000 jährlich – steht in Verbindung mit dem Rauchen, 1'600 sterben an den Folgen des Alkoholmissbrauchs, dazu kommen jährlich rund 120 Drogentote.
Insgesamt entgehen der Schweizer Volkswirtschaft an die 7,7 Mrd. Franken durch die Folgen von Sucht.
(Quelle: bfs)

Aufgrund der Massnahmen konnten viele Süchtige zum Teil nicht mehr wie gewohnt ihre Anlaufstellen besuchen. Seit den Ausgangsbeschränkungen und wegen der zwischenzeitlich verschlechterten Handelswege ist auch der "Stoff" schlechter geworden. Das Risiko schwerer Komplikationen durch den Konsum hat also zugenommen. Suchtverhalten wie Bildschirm-, Game und Handysucht haben sich durch die Krise ebenfalls verstärkt, wie "Sucht Schweiz" in ihrem Suchtpanorama 2021 feststellt. Die Anlaufstellen bemerken seit Beginn der Krise einen Anstieg an Hilfesuchenden.

Elementar ist das Bewusstsein dafür, dass Sucht nicht selbstverschuldet ist. Wenn jemand problematisch konsumiert, ist Aufhören nicht eine Frage des Willens. Ist dieses Bewusstsein und der Wille, sich von der Sucht zu befreien, auch bei der Betroffenen Person gegeben, kann mit einem Entzug begonnen werden. Dieser sollte in Begleitung von Fachpersonen (Ärzte, Suchtkliniken) geschehen und hat das Ziel, vollständig auf das Suchtmittel zu verzichten.

Vom Süchtigen zum Helfer

Bruno Wasser - vom Süchtigen zum Helfer

Bruno Wasser lebte auf der Strasse und war einer von Hunderten Süchtigen im Kocherpark (Bern). Heute gibt er denen ein Bett, die keines mehr haben. Mit 16 Jahren war er bereits drogenabhängig. Als sein Leben am seidenen Fanden hing, wandte er sich Gott zu und begann den Entzug in einer christlichen Entzugsklinik. «Die meisten beten erst, wenn sie auf dem Sterbebett liegen. So war es auch bei mir. Ich wusste, dass ich draufgehe, wenn ich so weitermache. Also habe ich gebetet, habe geheult und geheult und wurde drogenfrei.»

Seither spürt er kein Verlangen mehr. Nach einem halben Jahr Clean-Sein zog Bruno los und wurde Gassenarbeiter. Die Polizei wusste nicht, auf welcher Seite er stand. Kein Wunder: «Würde ich mir selbst begegnen, damals zu den schlimmsten Zeiten, ich würde mich selbst nicht mehr erkennen.» Von seiner Zeit auf der Strasse hat er gelernt, wie zerbrechlich die menschliche Existenz ist.

Durch ein Sozialpraktikum landete Bruno im Passantenheim der Heilsarmee. Dort gibt er den Notdürftigen ein Bett, hilft ihnen, die richtigen Papiere von den Behörden zu kriegen, und unterstützt sie bei der Suche nach einer neuen Wohnung. Oder er ist einfach da.

Text: Mathias Gottet / BZ Forum Berner Zeitung

Wie und wo die Heilsarmee auch noch hilft

In schweizweit 8 Sozialberatungs-stellen sowie in über 50 Kirchgemeinden finden Suchtbetroffene und andere notleidende Menschen eine offene Tür und ein offenes Ohr. Wo immer möglich bieten wir praktische Hilfe: Entweder haben wir irgendwo ein Notzimmer oder sogar Platz für eine mittelfristige Wohnlösung in einem unserer Passanten-, Wohn- und Obdachlosenheimen. Stabilere Menschen begleiten wir auf dem Weg zurück in die berufliche Integration in einer unserer Wohn- und Werkstätten. Erfahren Sie mehr über unser niederschwelliges Angebot für Menschen in Not und abonnieren Sie unseren Newsletter!

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